"Unser" Krankenhaus in Chak-e-Wardak

 

 

 

Die Lage
 

Das Krankenhaus liegt im Westen Afghanistans in der Provinz Chak Wardak. Es wird vom Maidan Gebirge eingeschlossen und liegt auf 2400m, was den Krankentransport sehr erschwert. Zudem ist es von der Hauptkriegsfront nur 5 km entfernt.

Bis zur Hauptstadt Kabul braucht man ungefähr 3 Stunden und 14 bis zum Grenzort Thal an der Grenze zu Pakistan im Süd-Osten.

120 km können 6 Stunden Fahrzeit bedeuten.

Ausserdem herrscht seit Jahren Trockenheit, was zur Folge hat, dass das Wasserwerk, in dem das Krankenhaus 1989 seinen Anfang nahm, selten Strom produziert.

 

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Die Entstehung des Krankenhauses

1989: Die leitende Operationsschwester Carla Schefter reist mit einer Reihe von Ärzten des Roten Kreuzes nach Afghanistan.
Als sie das erste Mal in Afghanistan war, hatte sie eigentlich vor, ein Jahr zu bleiben; doch nachdem sie die dortigen Verhältnisse erkannt hatte, steckte sie sich ein fast unglaubliches Ziel: Als Frau in einem fernen Land ein Krankenhaus zu eröffnen!

Es gab jedoch Probleme:
- Die lange und beschwerliche Anreise, da erstens die Straßen zerbombt und teilweise vermint war, wodurch die Höchstgeschwindigkeit dort bei ca. 15 km/h lag, und es zweitens keine direkten Flüge gab.
- Keine finanziellen Mittel
- Fehlende Mitarbeiter

Die letzten beiden Probleme lösten sich dann bald und es wurde ein erstes Krankenhaus eröffnet, das sich in einem Teil eines stillgelegten Siemens-Wasserkraftwerkes befand. Dieses Krankenhaus nutzte 2-3 Räume des Wasserkraftwerkes. Bisher bestand das Krankenhaus nur aus einer Ambulanz. Wenn es einmal keinen Strom gab, mussten die Operationen beim Schein einer Taschenlampe durchgeführt werden. Die Zahl der Mitarbeiter betrug 8.  

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Die Ausstattung des Krankenhauses

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Das Krankenhaus ist aus einfachen, vor Ort vorhandenen Mitteln in mühsamer Handarbeit errichtet worden, wie zum Beispiel der Ofen und die Labortische, welche aus Bettgestellen gebaut wurden. Karla Schefter legt besonderen Wert auf eine helle und freundliche Atmosphäre. Deshalb achtet sie sehr darauf, dass die Fenster groß sind und die Wände möglichst bunt gestrichen werden. Um das Krankenhaus herum pflanzt sie viele Blumen, da die Menschen in Afghanistan zu 70% mental gestört sind und das einzige worüber sie sich freuen können, die schöne Natur und die Blumen sind. So wird ihnen geholfen, ihr Selbstwertgefühl zu stärken.


Das Krankenhaus verfügt über 60 Betten – 20 für Männer und 40 für Frauen. Es besitzt eine - für afghanische Verhältnisse - sehr gute technische Ausstattung (Chirurgie, Röntgen, Ultraschall, EKG, Physiotherapie). Dennoch ist eines der Ziele von Karla Schefter die Ausstattung des Krankenhauses stetig zu verbessern.

 

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Karla Schefter

Die Ostpreußin Karla Schefter wurde im Jahr 1942 geboren. Mit dreieinhalb war sie zum erstenmal auf der Flucht. Bis zu ihrem zehnten Lebensjahr lebte sie in Mecklenburg und ging dann schwarz über die Grenze in den Westen. Mit 21 Jahren, nach ihrem Abschluss in der  Krankenpflegeausbildung, fuhr sie auf einem Frachter nach Brasilien. Bereits mit 24 Jahren baute Karla Schefter, die bei Ordensschwestern streng katholisch erzogen wurde, eine chirurgische Operationsabteilung auf. 23 Jahre lang leitete sie in Deutschland eine solche Abteilung.

Karla Schefter fuhr 1989 zusammen mit dem Roten Kreuz nach Afghanistan, um dort mit einem "mobilen Krankenhaus" ein Jahr lang zu bleiben. Doch die dortigen Verhältnisse erschütterten sie so sehr, dass sie beschloss, dagegen etwas zu unternehmen. Um den Menschen zu helfen, baute sie zusammen mit Afghanen ein Krankenhaus.

Schwester Karla organisiert und kontrolliert das Projekt hervorragend, da sie nahezu ständig anwesend ist (seit 12 Jahren 9 Monate pro Jahr vor Ort).

Sie hat es geschafft, als einzige Frau und Europäerin dort akzeptiert zu werden.

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Nur dem langen afghanischen Winter entflieht sie regelmäßig. Diese Aufenthalte in Deutschland stehen dann ganz im Zeichen der Öffentlichkeitsarbeit für das Krankenhaus. Durch Vorträge versucht sie Spenden zu sammeln, damit sie das Krankenhaus erhalten kann. Im Oktober 2001 hat Karla Schefter auf dringendes Bitten der deutschen Botschaft in Pakistan Afghanstan verlassen, da sie als Europäerin von Racheakten der afghanischen Bevölkerung bedroht war; sie kam über Pakistan nach Deutschland zurück, um weiter Geldgeber für das Krankenhaus zu suchen.

Für ihren unermüdlichen Einsatz erhielt Karla Schefter viele Auszeichnungen (siehe auch http://www.chak-hospital.org/karla_schefter/auszeichnungen.htm); unter anderem erhielt sie 2001 in Berlin den "Wohltätigkeits-Bambi" und 2006 in Kabul den "Malalai-Ordnen". Er ist die höchtste afghanische Auszeichnung für Frauen.

Im Oktober 2009 beging Frau Schefter ihr 20-jähriges Jubiläum, dabei erhielt sie eine Belobigung des afghanischen Gesundheitsministeriums.

Frau Schefter verfasst immer wieder Berichte über die Lage des Krankenhauses.

Bitte hier klicken, um ihren letzten Bericht zu lesen. Bericht lesen

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Patienten
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In das Krankenhaus kommen meist Verwundete, die an der Front ihr Vaterland verteidigt haben. Doch oft kommen auch Mütter mit ihren erkrankten Kindern und bitten um Hilfe. Im Jahre 1994 waren 70% der Patienten Frauen und Kinder, weshalb aus dem Krankenhaus ein Frauenzentrum wurde.
Doch als 1995 genug Geld zusammengekommen war, konnten die Hilfskräfte mit eigener Hand ein eigenes Frauen - und Kinderkrankenhaus bauen, welches 1996 fertiggestellt wurde. Oft müssen Patienten nachts in einer Not-Operation behandelt werden, da das Krankenhaus weit von der Front entfernt ist und die Verwundeten - allein von Eseln getragen - tagelang unterwegs sind.

Viele der Patienten, vor allem Kinder, leiden unter TB, Typhus, Malaria, Atemwegserkrankungen. Unterernährung, Anämie, Rheumatismus, Durchfallerkrankungen, Infektionen und Minenverletzungen. Dadurch kommt das Krankenhaus auf bis zu 86.000 Patienten im Jahr (Stand 2009) - mit weiter steigender Tendenz. Auch Risikoschwangerschaften sind bei den Frauen häufig zu verzeichnen. So sterben leider bei den Geburten, die im Krankenhaus stattfinden 16 von 100 Kindern

Das Krankenhaus verfügt über 60 Betten – 20 für Männer und 40 für Frauen und Kinder. Je ein Angehöriger darf einen Patienten begleiten und auch in Chak-e-Wardak nächtigen. Da das Krankenhaus nicht so viele Angestellte bezahlen kann, erledigen die Angehörigen neben der Versorgung "ihres Kranken" zum Ausgleich Hilfsdienste wie Putzen und Waschen.  

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Mitarbeiter

Karla Schefter war von 1990 bis 1994 die einzige Frau im Krankenhaus und gleichzeitig auch die einzige Ausländerin, die den Menschen von Afghanistan half. 1994 wurden die ersten einheimischen Frauen eingestellt.

Das Hospital verfügt über ein sehr engagiertes, ausschließlich afghanisches Personal Die Personalstärke liegt derzeit bei 74 Personen, die je zur Hälfte dem medizinischen bzw. allgemeinen Bereich zuzuordnen sind.

Zum medizinisches Personal gehören: mehrere Internisten, ein Chirurg, ein orthopädischer Chirurg, eine Gynäkologin, eine Zahnärztin, mehrere Hebammen (die auch Krankenschwestern sind), Krankenschwestern und ?pfleger, Impf- und Röntgenfachkräfte, medizinische Hilfskräfte sowie Gesundheitserzieher, Pharmazeuten und Laboranten.

Zum allgemeinen Personal gehören: Bäcker, Köche, Wäscher, Fahrer, Wächter und Verwaltungskräfte. Darüber hinaus gibt es eine Kontaktstelle in Peshawar, Pakistan.

 

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Die Finanzierung

Das Krankenhaus wurde in seiner frühen Aufbauphase, in den späten 1980- und frühen 1990-Jahren, von mehreren Organisationen und öffentlichen Einrichtungen unterstützt und mitfinanziert. Heute dagegen gibt es kaum noch öffentliche Zuwendungen, das Hospitalprojekt wird zu nahezu 100 Prozent durch Spenden finanziert und durch engagierte Veranstaltungen gefördert.
Einen großen Teil des „Fund Raising“ übernimmt dabei das Komitee zur Förderung humanitärer und medizinischer Hilfe für Afghanistan (C.P.H.A. e.V.), welches 35 Mitglieder hat. Das operative Geschäft wird durch den Vorstand (1. und 2. Vorsitzender, Schatzmeister und Schriftführer) geleistet. Alle sind ausschließlich ehrenamtlich tätig. Ebenfalls zum Vorstand gehört die Projektleiterin – Karla Schefter – die während ihrer Deutschlandaufenthalte unermüdlich zu Vorträgen, Interviews und Veranstaltungen – wie beispielsweise dem Afghanistantag unseres Gymnasiums – unterwegs ist und damit nachweislich den weit überwiegenden Anteil zum stetigen Spendeneingang beiträgt. Der Einfallsreichtum der Spender für die Mittelbeschaffung ist dabei grenzenlos und umfasst: Spenden von Schulfesten (wie natürlich auch unser Afghanistantag in Oberhaching), Versteigerungen, Basaren, Kreativmärkten, Vorträgen, Drehorgelauftritten. Oder es wird auf Geburtstagsgeschenke verzichtet und dafür um Spenden für das Hospital gebeten. Auch der testamentarisch veranlasste Verzicht auf Trauerkränze zu Gunsten der Menschen in Afghanistan ist Realität.
Die stationäre Behandlung inklusive der Verpflegung – auch der Begleitperson – erfolgt grundsätzlich kostenlos. Für ambulant verordnete und ausgegebene Medikamente zahlen die Patienten ausnahmslos rund 50 Prozent des Bazarpreises.
Zur Aufrechterhaltung des Betriebs benötigt das Krankenhaus jährlich mehr als 400.000 Euro. Dieser Betrag steigt – mit den Behandlungszahlen und steigenden allgemeinen Kosten – beständig an. So wurden beispielsweise 2009 mehr als 86.000 Patienten behandelt, von denen aktuell fast 80 Prozent Frauen und Kinder sind. Dabei sind die Betriebskosten des Chak-e-Wardak-Hospitals, relativ zu europäischen Verhältnissen, äußerst niedrig. Beispielsweise verdient ein Arzt monatlich zwischen rund 450 bis 610 Euro, eine Krankenschwester, die zugleich Hebamme ist, rund 230 Euro und eine Hilfskraft zwischen rund 120 bis 160 Euro.
Die Lebenserwartung in Afghanistan liegt bei nur 43 Jahren, jede zehnte Frau stirbt schwangerschaftsbedingt, jedes vierte Kind vor Erreichen des fünften Lebensjahrs.
Wenn Sie das Krankenhaus finanziell unterstützen möchten, so kommen sie entweder zu unserem Afghanistantag oder Sie spenden direkt an das "Komitee zur Förderung medizinischer und humanitärer Hilfe in Afghanistans C.P.H.A. e.V". Die Kontoverbindung und viele Informationen finden Sie unter www.chak-hospital.org .

 

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